Materialflusskostenrechnung (MFCA)

Der Vorteil der Materialflusskostenrechnung liegt in der Betrachtung der absoluten Mengenverbräuche im Gegensatz zur üblichen Kostenbetrachtung, welche Preisschwankungen unterliegt und bei der nur die Kosten der Inputmenge angegeben werden. Durch die reine Mengenbetrachtung kann erst eine unverzerrte und vollständige Analyse des Materialverbrauchs erfolgen.

Betrachtung der Mengenströme

Materialflusskostenrechnung, MFKR (Material Flow Cost Accounting, MFCA) verteilt zunächst die verbrauchten Materialmengen auf ein Produkt. Von zum Beispiel 100 Tonnen Material, welche beschafft und dem Produktionsprozess zugeführt wurden, sind im Endprodukt noch 80 Tonnen enthalten, der Rest wird entsorgt oder dem Produktionsprozess erneut zugeführt:

MFCA_Bild1_100t_Input-80t_Output

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Vergleich mit Kosten- und Leistungsrechnung

In der herkömmlichen Kostenzuordnung werden dem Kostenträger (Produkt) sämtliche Kosten, welche zur Herstellung des Produktes notwendig waren, zugerechnet, dies betrifft Lohnkosten ebenso wie Material- und Energiekosten sowie Maschinenkosten und weitere kalkulatorische Kosten. Somit wird nur der Outputstrang I berücksichtigt, der Output II (kumuliert über alle Produktionsstufen) wird nicht erfasst. Im obigen Beispiel ergäbe sich die folgende Kostenbetrachtung:

MFCA_Bild2_Produktionskosten1000k

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Wie funktioniert Material Flow Cost Accounting (MFCA)?

Bei der Materialflusskostenrechnung werden die Mengen und die Kosten verknüpft. Leitgröße ist die Menge. Statt Kostenstellen werden Mengenstellen eingerichtet und es wird zunächst eine reine Mengenbetrachtung der Material- und Energieströme vorgenommen.

MFCA_Bild3_Verteilungsschluessel_80-20

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Auf Basis dieser Analyse können in jeder Phase des Produktionsprozesses die entstandenen Kosten entsprechend den verarbeiteten Mengen betrachtet werden. Im Beispiel würde sich für die jeweils letzte Phase des Verarbeitungsprozesses (bei Output I und Output II) bei einer schematisch stark vereinfachten Darstellung folgendes Bild ergeben:

MFCA_Bild4_Kostenzuordnung1_o.Ents.mgt

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Wird nun noch das Entsorgungsmanagement gesondert ausgewiesen, so reduzieren sich die dem Produkt zugeordneten Kosten nochmals. Jedoch nicht im Verhältnis, sondern hier geht die Materialkostenflussrechnung davon aus, dass Entsorgungskosten nicht im Produkt zu finden sind und vollständig dem Output II (Abfall) zugeordnet werden:

MFCA_Bild5_Kostenzuordnung2_m.Ents.mgt

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Die ausgewiesenen Produktionskosten für das Produkt sind gesunken, der Anteil der Kosten die dem Abfall zugeordnet werden ist gestiegen. Zu einem ähnlichen Ergebnis käme man über eine Value-Added-Betrachtung: Nicht alle Materialien und Tätigkeiten leisten einen Wertbeitrag zum Produkt.

 

 Vergleich Kostenträgerrechnung und Materialflussrechnung

Während bei der Kostenträgerrechnung sämtliche Kosten (im Beispiel 1.000 T€) dem Produkt zugeordnet werden, können über die Materialflussrechnung die nicht im Produkt enthaltenen Aufwendungen genauer betrachtet werden.

MFCA_Bild6_Uebersicht_Finanz-Mengenstroeme

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Im obigen Beispiel können durch MFCA die Prozesse welche zu den 208.000 € Abfallkosten führen genauer untersucht werden. In der herkömmlichen Kostenrechnung ist die Notwendigkeit dieser Analyse weniger deutlich.

Analyse des unerwünschten Outputs

Werden die Prozesse untersucht, welche zu Abfallkosten führen, so ist die zentrale Frage: Wie wäre der entstandene Abfall vermeidbar bzw. wie wären die Kosten, denen kein Wertbeitrag gegenüber steht vermeidbar?

MFCA_Bild7_Aufteilung_Abfall

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Aus der Beantwortung der Frage der Vermeidung ergibt sich das Potential für Effizienzsteigerungen. Abfall entsteht oder wird verursacht meist in allen Stufen der Wertschöpfungskette vom Produktdesign bis zum Warenausgang. Mit der Materialflusskostenrechnung können die Potentiale für Steigerungen der Materialeffizienz bestimmt und quantifiziert werden.

MFCA_Bild8_Ineffizienzen

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Gründe für mögliche Effizienzsteigerungen

Von Unternehmen zu Unternehmen werden die Ursachen für Ineffizienzen im Produktionsprozess unterschiedlicher Natur sein. Insbesondere durch Veränderungen über die Zeit kommt es im Betrieb auf der einen Seite zu gewollten Verbesserungen, welche jedoch auch unbeabsichtigte und unbemerkte Effekte nachsichziehen. Den Materialeinsatz betreffend können diese Effekte über das Instrument Material Flow Cost Accounting hauptsächlich in drei Bereichen transparenter gemacht werden.

Ineffizienzen im Produktionsprozess:
Bearbeitungsverfahren, Prozessparameter, Verbrauchsstoffe, Reinigungs- und Aufbereitungsverfahren, Hilfsstoffe, Verwertung von Produktionsabfällen, Fehlerquote, …

Ineffizienzen im Umfeld der Produktion:
Wareneingang, Qualitätskontrolle, Transportprozesse, Lagerhaltung, Verpackungsmaterial, …

Ineffizienzen bei Produktkonstruktion und –dimensionierung:
Materialauswahl, Geometrie, Verschnittoptimierung, Bearbeitungsplanung, …

 

Möglichkeiten der Materialflusskostenrechnung

Da die Materialflusskostenrechnung bereichsübergreifend betrachtet, kommen erst bestimmte – scheinbar offensichtliche – Analysen zur Anwendung. Verarbeitet ein Unternehmen beispielsweise im Jahr 50 Tonnen (Bereich Einkauf) Edelstahl und im Produkt sind 40 Tonnen enthalten, dann sind 10 Tonnen (Bereich Entsorgung) im Abfall, wovon der größte Teil wieder verwendet werden kann. Es stellt sich bei der Materialflusskostenrechnung die Frage, ob mit z.B. 48 Tonnen auf der Inputseite genauso viele Produkte hätten produziert werden können. Kostet Edelstahl im Einkauf 7 €/kg und liegt der Schrottpreis bei 3 €/kg, dann könnte pro Tonne Edelstahl welche im Produktionsprozess vermieden würde 4.000 € an Material bzw. ca. 1% des Einkaufvolumens eingespart werden. Zu dem fallen die damit verbundenen Kosten bei Verarbeitung, Transport, Entsorgung und Verwaltung nicht an.

Ein einfaches operationalisierbares Ziel wäre im obigen Beispiel die Quote 80:20 (40 Tonnen Produkt zu 10 Tonnen Abfall) kontinuierlich zu steigern auf 81:19, 82:18 …. In Japan konnte ein Klebebänder-Hersteller über einen Zeitraum von 4 Jahren das Verhältnis von 68:32 auf 78:22 steigern, mit dem Ziel nun auf ein Verhältnis bei Produkt zu Abfall von 90:10 zu kommen. Das würde bedeuten, der Abfall-Anteil wäre um ca. 66%  reduziert worden.

Materialflusskostenrechnung definiert in der Norm ISO 14051

Die Materialflusskostenrechnung (MFKR) ist in der ISO-Norm 14051 beschrieben und wird als Managementinstrument eingestuft. Sie soll Unternehmen und Organisationen die finanziellen und umweltbezogenen Auswirkungen ihres Material- und Energieverbrauchs transparenter machen. Dadurch können Maßnahmen zum effizienteren Einsatz durch Änderungen bei der Material- und Energieverwendung durchgeführt werden.

 

Darstellung der Stoff- bzw. Materialflüsse

Das Ergebnis einer Stoff- bzw. Materialflussanalyse ist ein Diagramm, in welchem jeder Fluss und jedes Lager einen Wert erhält.

MFCA_Bild9_STAN-Diagramm-Bsp